Piemont & Persönlichkeiten – ALPS Reise – 8 Nächte

Birgit Trager (PIEMONT PUR) hat für das  ALPS-Magazin die Reise „Piemont & Personaggi“ kreiert – und dafür tief aus dem Erfahrungsschatz ihrer bereits zwanzigjährigen Liebe fürs Piemont geschöpft! Hier lesen Sie die Geschichte dieser wunderbaren Reise:

Piemont & Personaggi   –  Piemont & Persönlichkeiten

Kaum ein Landstrich Italiens ist noch immer so unentdeckt wie der Nordwesten. Dabei strotzt das Piemont nur so vor Geheimtipps. Sei es in der Alpenregion an der Süd-, West- und Nordgrenze, in der fruchtbaren Poebene, die sich von Westen nach Osten zieht oder im hügeligen, weinrebenreichen Süden. Italiens zweitgrößte Region ist voller Persönlichkeit – und Persönlichkeiten. Es ist also an der Zeit für eine Geschichte zu Piemont und Personaggi.

Einem ganz besonders beliebten Piemontesen begegnet man in den waldreichen Hügeln der Alta Langa in der südlichen Provinz Cuneo. Hier, über dem frischen Haselnusstrauchgrün des Bórmidatals liegt versteckt ein kleiner Borgo. Die sich hinschlängelnde Straße ist so schmal, dass die langen Triebe wilder Nusssträucher durchs heruntergelassene Autofenster kitzeln. Noch eine Kurve, noch eine. Das Navigationssystem hat schon längst aufgegeben.

Dann, nach einer letzten Abzweigung, ducken sich eine Handvoll bemooster Schieferdächer unter Eichen und Maulbeeren. Darunter trutzige, kubische Baukörper aus mörtellosem Feldstein, die 60 Zentimeter dicken Mauern von vergangenen Jahrhunderten zusammengestaucht. Vor ihnen steht Gianni Farinetti. Der Schriftsteller, 1953 im nahen Bra geboren, teilt sein Leben und Arbeiten zwischen dem eleganten Turin und seinem malerischen Refugium auf dem Land. Ein graubärtiger Bohémien mit einnehmendem, warm polterndem Witz, sein „Buongiorno!“ hallt im schönsten Bassbariton die Mauern entlang. Und je schneller die Camels blu zwischen seinen gestikulierenden Fingern verglühen, desto verheißungsvoller werden Timbre und Piemontgeschichten. Auch seine Romane erzählen von dieser Region, zwei davon wurden bereits ins Deutsche übersetzt. 2005 hat er den Borgo Balin oberhalb des kleinen Dörfchens Gorzegno gekauft und anschließend acht Jahre lang restauriert. Seit letztem Jahr empfängt er Feriengäste. Wenn sie denn den Weg zu ihm finden, schmunzelt er: „Das Piemont ist noch immer verkannt, sogar unbekannt“, sagt er, „aber dafür entdecken Reisende hier noch ein Mysterium. Und verwunschene, verlassene Plätze.“

Farinettis Geschichten bebildern ein intaktes, ursprüngliches Land. Dem gerne eine gewisse Unzugänglichkeit zugeschrieben wird – geografisch und als Charaktereigenschaft seiner Einwohner: „Man sagt, die Piemontesen seien verschlossen. Vielleicht sind wir wirklich nicht überschwänglich, aber wir haben einen schwarzen Humor. Und zelebrieren unsere Exzentrik“, zwinkert er verschwörerisch. Diesen Wesenszug erklärt er anhand der örtlichen Begebenheiten: „Die Langa war immer arm – auch an Straßen. Es gestaltete sich also schwierig, die Gegend zu verlassen und andere Orte zu erreichen.“ Doch daher rühre auch die wohlwollende Neugier der Einwohner auf alle, die von außerhalb kamen: „Schließlich brachten diese Fremden neue Ideen, neue Geschäfte und neue Künste mit.“

Gerade für letztere war wohl kein Weg zu steil, kein Tal zu abgelegen: Wer von Farinettis Borgo aus zwei Stunden lang westwärts fährt, erreicht die vollkommene Abgeschiedenheit der Cottischen Alpen – und einen der größten Kunstschätze des Piemonts: „Elva ist das einsamste Dorf, das man sich vorstellen kann. Und doch erfreuen uns genau dort die wunderbaren Fresken des Maestro d’Elva“, lacht er. Denn ist es nicht herrlich absurd und so ganz und gar piemontesisch, in dieser 100-Seelen-Gemeinde im Valle Maira auf die Fresken eines flämisch-burgundischen Meisters aus dem 15. Jahrhundert zu treffen? Nirgendwo sonst ist das Piemont so entvölkert: die durchschnittlich zwei Einwohner pro Quadratkilometer kennzeichnen das Mairatal als eine der am dünnsten besiedelten Regionen Europas. Auf der serpentinenreichen, gerölligen Passstraße, die nach Elva führt, kann einem schon mal mulmig werden. Und doch ist in der Gemeindekirche von Elva das Presbyterium dicht mit farbenfrohen, detailreichen Bibelszenen bemalt. Die Stille und Abgeschiedenheit des Ortes wirft den Betrachter ganz zurück auf sich selbst und diesen Moment intensiver Begegnung mit Hans Clemers tumultigen Kreuzigungsszenen, mit dem noblen, blassen Gesicht seines Verkündigungsengels, der die grüßende Hand über eine lesende Maria hebt. Mit dem sichtlich müden Esel, der die Gottesmutter und das eng in weißes Tuch gewickelte Jesuskind nach Ägypten bringt. All diese Figuren tragen, so spürt man noch heute, seit 600 Jahren ein Geheimnis mit sich.

In einer seiner schwarzen Kriminalkomödien, dem Rebus di mezza estate, setzt Gianni Farinetti den Leser auf die rechte Spur, wenigstens eines der unzähligen misteri des Piemonts zu lüften: „Ein Mittsommerrätsel“ – so könnte man den Roman ins Deutsche übersetzen – beschäftigt sich mit einem der vordringendsten Merkmale von Land und Einwohnern:

Dem Schweigen:
„Sie hatten ihm erzählt dass in der Alta Langa das Schweigen, vor allem in der Nacht, ein doppeltes ist. Auf die erste stille Schicht, die dem Landleben auf der ganzen Welt gemein ist, folgt eine weitere – tiefer, gehörlos und dennoch schwingender. Vielleicht weil die Leute hier früh ins Bett gehen und von sich aus schon nicht lärmend sind. Aber vor allem weil die Hügel der Langa kein Echo zurückwerfen. Es ist nicht wie in den Bergen, wo du rufst und der Ruf zu dir zurückfindet. Nein, diese Hügel, die Abgründe, Gräben, Schluchten von hier, saugen die Töne auf, halten sie zurück, verbergen sie tief im Innern. Wären sie aus Stoff, es müsste Samt sein. Oder ein Gericht wie Gemüsestampf. Es gibt keine Wasserfälle, keine aufgewühlte See. Selbst der Wind – an dem es hier nicht fehlt – wirft zwar die Türen zu, sicherlich, aber mit besonderen Tönen. Ohne Wut, ohne Vorzeichen. Ein schönes, trockenes Bumm und das war’s.“

Paola Fracchia hat sich diesen Abschnitt auf ihre Webseite gestellt, denn nie zuvor, so erzählt die ziegenzüchtende Käseproduzentin, habe jemand so treffend genau zusammengefasst, was auch sie in der Alta Langa empfindet. Die preisgekrönte Käserin lebt mit ihrem Mann Gianni Cora nur einen Steinwurf von Farinettis Borgo entfernt im Örtchen Monesiglio. Der Robiola der beiden zählt zu den feinsten Ziegenfrischkäsen weltweit. Das Harrods in London bestellt ihn. Ferrán Adriá war Kunde, als er noch sein El Bulli betrieb. Sogar dem japanischen Kaiser wird der kunstvoll in handgesammelten, aromatisierenden Blättern von Feige, Nuss oder Wein gewickelte Ziegenfrischkäse zugeschickt. Jahr um Jahr flattert den Coras dafür eine Einladung an den japanischen Kaiserhof ins Haus. Aber hinfahren? Nein! Wie könnten sie ihre 350 Ziegen verlassen! Lieber holen sie sich die Welt in ihre Käserei. Die Welt – und natürlich den Schriftsteller Gianni Farinetti. Paola Fracchia nickt begeistert: „Ich habe seine Bücher schon gelesen, noch bevor ich ihn kannte. Eines Tages gehe ich in die Bar – und er steht vor mir. Für mich sind Schriftsteller das größte, also gelang es mir nicht, irgendetwas zu sagen und ich habe ihn nur mit offenem Mund angestarrt“, erinnert sie sich an ihre erste Begegnung mit dem Romanautor.

Erzählen zu können, das hat im Piemont eine große Bedeutung. Gianni Farinetti erinnert sich, wie er die Coras zum ersten Mal in ihrem Privathaus besucht hat: „Da hing im Eingang ein Foto von mir! Oder eigentlich hingen da drei: Ich und Jack Kerouac und Tom Waits.“ Er freut sich noch immer. Und ruft große piemontesische Schriftsteller wie Beppo Fenoglio oder Cesare Pavese ins Gedächtnis. Auch wortgewandte Liedermacher zählt er dazu, schließlich stammt Paolo Conte aus Asti, der im Frühling verstorbene Gianmaria Testa war aus Cuneo.

So wird im Piemont nicht nur dem Schweigen große Bedeutung beigemessen, sondern auch die Schönheit des recht gesetzten Wortes gewürdigt: „Viele haben versucht, das Piemont mit ihren Worten zu beschreiben. Das hat einen Grund: In ihrer Suche nach Worten steckt der Wunsch, dem Geheimnis des Ortes auf den Grund zu gehen“, erfasst Gianni Farinetti auch das eigene Bemühen. „Aber“, schließt er und wirkt darüber ganz zufrieden: „Du suchst und suchst. Und entdeckst es doch nie.“ Das Piemont wird also noch ein Weilchen Mysterium bleiben. Auch trotz – oder wegen – unserer Reisegeschichte.

(Text: Evelyn Pschak)

2 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück im Castello di San Sebastiano Po
2 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück in der Scuola di Chiappera
2 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück im Borgo Balin
2 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück in Le Case della Saracca
8 x Kurtaxe
2 Abendessen in der Scuola di Chiappera (ohne Getränke)
1 Abendessen bei Cesare (ohne Getränke)
1 Abendessen in der Le Case della Saracca (ohne Getränke)
1 Mittagessen in der La Terrazza da Renza (ohne Getränke)
1 Besichtigung mit Degustation der Haselnussmanufaktur
1 Besichtigung mit Degustation der Käserei

Leistungen nicht im Preis enthalten:
An- und Abreise, alles Transfers, Getränke und alles, was nicht unter Leistungen im Preis enthalten aufgeführt ist.

Wir erstellen Ihnen gerne ein Angebot für Ihre individuelle Piemont & Persönlichkeiten – Reise!

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